Peter F. Weitzel

Was ist die Protonentherapie bei Prostatakrebs?

Die Protonentherapie ist eine moderne Variante der herkömmlichen Strahlenbehandlung bei Prostatakrebs. Dabei sollen die Krebszellen mit hoher Präzision vernichtet und die angrenzenden, gesunden Zellen weniger geschädigt werden.

Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über die Vorteile und Nachteile der Protonenbestrahlung, ob diese Therapie für Sie infrage kommt, und wo Sie sich behandeln lassen können.

Wie wirkt die Protonentherapie?

Die normalerweise angewandte Röntgenstrahlung hat für die medizinische Behandlung von Krebs erhebliche Nachteile. Sie wird einerseits im Körpergewebe ganz wesentlich abgebremst (für das Röntgen als bildgebendes Verfahren wiederum wichtig!) und andererseits auch noch abgelenkt und zerstreut.

Das bedeutet, die Röntgenstrahlen

  • richten beim Eindringen auf der Körperoberfläche die schwersten Schädigungen an,
  • kommen schon abgeschwächt beim Tumor an, den sie ja eigentlich zerstören sollen, und
  • treten noch weiter geschwächt am anderen Ende des Körpers aus. Wobei geschwächt nicht mit ungefährlich verwechselt werden darf.

Der fokussierte Röntgenstrahl wird beim Eindringen in das Gewebe außerdem gestreut, sodass die hochpräzise Treffgenauigkeit gar nicht so gegeben ist, wie uns die Radiologen in all ihren Veröffentlichungen immer wieder weismachen wollen.

Weil Krebszellen durch Röntgenstrahlung schwerer als gesunde Zellen zu zerstören sind, kann bei tiefliegenden Tumoren zudem die Dosierung gar nicht so hoch gewählt werden, wie es eigentlich erforderlich wäre. Ergo:

Die bisherigen Bestrahlungsmethoden sind unzulänglich und zu gefährlich für das gesunde Gewebe, weil der gesamte Strahlenkanal zellenseitig schwer geschädigt wird, ohne den Krebs letztendlich vollständig vernichten zu können.

Die moderne Bestrahlungsgeometrie aus verschiedenen Richtungen oder sogar dynamisch aus drehenden Bewegungen der Strahlenquelle heraus hat dann zur Folge, dass viele Strahlenkanäle oder gegebenenfalls sogar komplette Schnitte durch den Körper mit all seinen Organen, Nerven, Knochen und Gefäßen verstrahlt sind.

Um diese schweren Mängel der konservativen Bestrahlung auszumerzen, sucht man seit langem nach Möglichkeiten, die bessere Ergebnisse bringen und trotzdem den Patienten weniger Schaden zufügen.

Mit der Protonentherapie glaubt man nun ein Optimum der Bestrahlung gefunden zu haben. Die Protonen selbst sind positiv geladene Klümpchen aus verschiedenen im Atomkern enthaltenen Quarks, also unvorstellbar kleinen Teilchen die, wenn sie auf eine bestimmte Geschwindigkeit abgebremst werden, auch noch ionisierend wirken.

Protonentherapie bei Prostatakrebs: Bestrahlung mit positiv geladenen Atomteilchen

Das bedeutet, sie schlagen Elektronen aus den Schalen der getroffenen Atome, in diesem Fall aus den Atomen der Krebszellenmoleküle. Damit wird auch das Genom der Zellen zerstört und das Krebswachstum hat ein Ende.

Was sind die Vorteile der Protonentherapie?

Um die Protonenstrahlung mit den gewünschten Eigenschaften für die Krebsbekämpfung zu erzeugen, ist für jeden einzelnen Behandlungsplatz ein Teilchenbeschleuniger von der Größe eines Klassenzimmers erforderlich.

So ein Aufwand ist nur gerechtfertigt, wenn bei der Protonentherapie eine Menge Pluspunkte ins Gewicht fallen. Letztendlich ist es nur eine Eigenschaft der Strahlung, die aber einen enormen Vorteil mit sich bringt:

Protonenstrahlung hat eine definierte Reichweite, wenn sie in Materie (z.B. in lebendes Gewebe) eindringt und – so stellte der Nobelpreisträger Sir William Henry Bragg schon im Jahr 1904 fest – ionisiert sie umso mehr, je langsamer sie wird.

Die Strahlung kann so angewandt werden, dass die größte Zerstörung zielgenau dort stattfindet, wo das Krebsgeschwür sitzt. Und zwar zielgenau in dreidimensionaler Hinsicht, d.h. sowohl seitlich als auch in der Tiefe genau.

Ferner streut der Protonenstrahl beim Eindringen nicht so sehr wie der Röntgenstrahl und schädigt die davor- und dahinterliegenden Strahlenkanal-Gebiete weniger.

Für wen eignet sich die Protonentherapie?

Die Protonenbehandlung kommt in erster Linie für Prostatakrebspatienten in Betracht, deren Krebs bereits die Organgrenzen überwunden hat und die bisher nur noch palliativ behandelt werden konnten.

Auch in den Fällen, bei denen eine andere Methode aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Frage kommt, bietet sich mit der Protonentherapie vielleicht eine Möglichkeit, wieder ganz gesund zu werden.

Für Patienten mit kleinen Knötchen dagegen gibt es bessere Behandlungsmethoden, wie ich sie in meinem Ratgeber Prostatakrebs ausführlich beschreibe.

Wer bietet eine Protonenbehandlung an und wie lange dauert sie?

Die Bestrahlungstherapie mit Protonen wurde gegen Ende des Jahres 2008 im deutschen Sprachraum publiziert. Ein erstes europäisches Behandlungszentrum für Protonenbestrahlung, das Rinecker Proton Therapy Center in München, hatte nach allen Genehmigungsverfahren im März 2009 seinen Betrieb aufgenommen.

Wie die Süddeutsche Zeitung am 14. Oktober 2017 berichtete, ist es inzwischen allerdings insolvent. Man hatte dort mit 4.000 zahlungskräftigen Kunden pro Jahr gerechnet, aber gerade einmal 700 waren gekommen.

In Deutschland gibt es zurzeit fünf Protonentherapie-Zentren: In Essen, Heidelberg, München, Dresden und Berlin. Weitere Zentren sollen im Raum Gießen / Marburg, Köln / Bonn / Aachen, sowie in Hamburg / Schleswig-Holstein entstehen.

Eine Protonenbehandlung wird von den Ärzten stets individuell nach dem Krankheitsbild geplant. Normalerweise dauert sie rund vier Wochen (20 Bestrahlungen, fünf pro Woche).

Peter WeitzelProstatakrebs – was nun?

Bestsellerautor Peter Weitzel rät:

"Lassen Sie sich keinesfalls zu einer Operation oder Strahlentherapie drängen – es drohen Impotenz, Penisverstümmelung und Inkontinenz. Diese schonenden Behandlungs-Alternativen sollten Sie daher unbedingt kennen."

Was kostet eine Protonentherapie?

Die hohen Investitionen müssen sich für ein Behandlungszentrum natürlich lohnen. Eine Protonentherapie kostet daher um die 20.000,00 € aufwärts.

Einige wenige Krankenkassen haben die Zulassung für dieses Verfahren erteilt und übernehmen teilweise die Kosten. Ein Leser, der bei der AOK versichert ist, schrieb mir, dass er 18.000,00 € zuzahlen musste.

Wer kann und will sich als gesetzlich Versicherter das leisten?

Erfahrungen mit der Protonentherapie

Ein anderer Leser, Ulrich G., schickte mir einen ausführlichen Erfahrungsbericht, den ich hier mit seiner Zustimmung unkommentiert wiedergebe:

„Hallo Herr Weitzel, ich habe inzwischen eine Protonentherapie in M. hinter mir. Wohl auch mit gutem Erfolg, wie die erste Nachuntersuchung gezeigt hat.

Ich war vier Wochen dort; insgesamt waren es 20 Behandlungen. Es sollten 21 werden. Die letzte habe ich nach Rücksprache mit dem Arzt ausfallen lassen, da die Nebenwirkungen doch ziemlich heftig waren und ich einen Tag Zeit zum Erholen haben wollte, bevor ich mit der Bahn zurück nach B. fahren musste.

Die Behandlungen waren gut, das Personal jung und ziemlich neu. Bei der Bedienmannschaft der Geräte war die Dienstälteste gerade drei Monate dort (von denen mit denen ich zu tun hatte). Das hat mich doch etwas irritiert. Wenn die Fluktuation beim Personal groß ist, wird das Behandlungszentrum wohl schlecht bezahlen.

Die Nebenwirkungen der Protonentherapie waren doch erheblich; ich habe zwar keinen Vergleich zur Photonenbestrahlung, aber allein die Dauer (vier Wochen zu sieben Wochen) haben mich zur Protonenbestrahlung tendieren lassen. Die Nebenwirkungen steigerten sich von Woche zu Woche und waren in der vierten Woche ziemlich heftig; sie betrafen den Darm und die Blase.

Die Intensität der Nebenwirkungen war bei allen Patienten ziemlich gleich. Das Abklingen der Nebenwirkungen war bei meinen ‚Leidensgefährten‘ sehr unterschiedlich. Den meisten ging es nach drei bis vier Wochen wieder ganz gut; ich bin da vielleicht nach vier Monaten noch nicht ganz durch; es wird aber immer besser, so dass ich guter Dinge bin.

Bezahlt hat die Behandlung, nach einigen Briefen hin und her, die Techniker Krankenkasse; gewohnt habe ich in dem Gästehaus, was auch die TK spendiert hat.

Dort konnte man sich wohlfühlen. Ausstattung wie in einem 4-Sterne-Hotel. Genehmigt war ein Doppelzimmer, in dem ich aber, bis auf die ersten zwei Nächte, allein war.

Die ‚Kollegen‘ dort waren übrigens, im Gegensatz zu mir, alle nicht operiert und was ich bisher gehört habe, geht es allen inzwischen sehr gut; vielleicht eine Alternative zur Operation? Das ist aber wohl von Fall zu Fall verschieden.

Das als Erfahrungsbericht für ihr Archiv zum Prostatakarzinom. Viele Grüße aus B., Ihr Ulrich G.“

Das Fazit: Ja oder Nein zur Protonenbehandlung?

Wenn Sie persönlich eine Protonentherapie in Erwägung ziehen, dann sollten Sie dieses wissen:

Die Methode verspricht zwar eine effektive Bestrahlung des Prostatakrebs-Tumors in Verbindung mit geringeren Nebenwirkungen. Es sind aber noch keine aussagekräftigen Langzeit-Erfahrungen zu höheren Heilungschancen und zu eventuellen negativen Spätfolgen vorhanden.

Zudem gibt es, wie ich bereits erwähnt habe, möglicherweise bessere Möglichkeiten zur Behandlung Ihres Prostatakrebses. Mehr dazu lesen Sie in meinem Ratgeber Prostatakrebs.

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