Peter F. Weitzel

Prostata Biopsie: Erste Wahl bei der Diagnose von Prostatakrebs?

Die feingewebliche Untersuchung nach einer Prostata Biopsie erfolgt in der Regel in einer pathologischen Einrichtung, weil die darauf spezialisiert ist und hier meist auch die nötigen Erfahrungen vorliegen.

Wenn wir uns in der Fachliteratur Fotos der durch die Prostata Biopsie gewonnenen Gewebeproben ansehen und die Erläuterungen lesen, sehen wir die Kompliziertheit eines derartigen Befundes. Krebszellen tragen kein Typenschild.

Der Diagnostiker sieht nur die innere und äußere Form der Zelle, ihre Lage im Gewebeverband und das umgebende Gewebe. Dabei können sich schon bei der Präparierung Handhabungsfehler einschleichen. Prof. Julius Hackethal schreibt in seinem Buch „Keine Angst vor Krebs“ (München 1987):

„Als mikroskopische Merkmale des Krebses gelten verschiedene Formabweichungen der Zelle wie zum Beispiel Vergrößerung der Kerne, Verdichtung des Kerngerüstes, Vergrößerung und Vermehrung der Kernkörperchen, Verkleinerung des Zellleibes, Auflösung der Formelemente des Zellleibes.

Als Krebsmerkmale eines Zellverbandes werden gewertet: häufige Zellteilungsfiguren, Zellvermehrung, grenzüberschreitendes Zellwachstum, Zellansammlungen in Lymphspalten, Änderung des typischen Gewebsstrukturbildes.

Den Ähnlichkeitsgrad des Zell- und Gewebsbildes zu normalem Gewebe nennen die Pathologen Reifegrad bzw. Differenzierungsgrad. Je ähnlicher die krebsentartete Zelle der Normalzelle, umso differenzierter bzw. reifer der Krebs, je unähnlicher desto undifferenzierter oder unreifer. Im Hinblick auf die Befundbeschreibung besteht eine geradezu babylonische Sprachverwirrung.“

Krebs ist pathologisch also äußerst schwierig von normalem Gewebe unterscheidbar, was die Prostata Biopsie fragwürdig erscheinen lässt. Die Aggressivität des Prostatakrebses ist unter dem Mikroskop nur bedingt über die Differenzierung erkennbar. Dabei helfen leider auch die modernsten Elektronenmikroskope nicht, von denen man sich eine erhebliche Verbesserung der Zelldiagnostik versprochen hatte.

Prostata Biopsie: Wie sicher ist das Ergebnis?

Die Beurteilung durch den untersuchenden Pathologen hat zudem immer noch ein subjektives Moment. Deshalb muss seitens der Untersucher eine sehr große Erfahrung vorausgesetzt werden. Wer nach entarteten Zellen sucht, der findet auch welche. Dass es sich um angepasste Parasiten handeln könnte, wird gar nicht erst in Erwägung gezogen [41].

Ein durchgeführtes Experiment mit gleichen Zellproben brachte bei unterschiedlichen Pathologen unterschiedliche Ergebnisse mit einer Fehlerquote von immerhin 2,7% [27].

Das ist scheinbar nicht viel, heißt aber im Klartext: 3 von 100 Männern könnten völlig unnötig operiert werden. Hochgerechnet auf 60.000 Neuerkrankungen in Deutschland sind das immerhin weit über 1.600 (!) unnötige, gefährliche Prostatakrebs Operationen mit über 1.600 persönlichen und familiären Leidensgeschichten in jedem Jahr!

An diesen Zahlen hängt jedoch noch etwas anderes: Rund 30 Mio. Euro zusätzlicher Umsatz für die beteiligten Mediziner. Und 30 Mio. Euro zusätzliche Kosten für die Beitragszahler der Krankenkassen. Jedes Jahr! Und weltweit? Und natürlich ohne Berücksichtigung der Nachbehandlungen, deren Kosten um ein Vielfaches höher liegen.

Eine Prostata Biopsie ist also mit vielen Unsicherheiten behaftet. Und wenn überhaupt, dann besteht einigermaßen Sicherheit nur, wenn in einem Fall mindestens 2 Gutachter ohne Kenntnis voneinander tätig werden. Das wiederum verdoppelt nicht nur die Kosten, sondern, wegen der doppelten Prostata Biopsie, auch die Risiken. Ein Teufelskreis.

Seien wir also auf der Höhe der Zeit. Medizin ist leider zum Geschäft geworden. Handeln wir wie Geschäftsleute. Misstrauen wir zunächst jedem, der ein Geschäft mit uns machen will. Bevor wir eine Biopsie durchführen lassen, informieren wir uns gründlich über die Alternativen wie beispielsweise eine MRT-Untersuchung.

Mehr zur Prostata Biopsie lesen Sie im Ratgeber „Prostatakrebs“.

Prostatakrebs